Eine Kritik aus dem Schenefelder Tageblatt, geschrieben am Dienstag, 13. Juni 2006 von Eike Pawelko

Raschelnde Roben und Federboas
Schenefeld: Operettenchor Hamburg traf mit gefälligem Repertoire perfekt den Geschmack des Publikums

Liebesleid und Bühnenküsse, Intrigen und Walzerglück: Mit einem abwechslungsreichen Mix aus bekannten Operettenmelodien begeisterte der Operettenchor Hamburg das Publikum im Forum Schenefeld.
Bei Franz Lehárs Grisetten-Lied hielt es die Zuschauer nicht länger: Hingerissen von der schmissigen Weise aus seiner Operette “Die lustige Witwe” ebenso wie von der schwungvollen Tanzeinlage eines singenden, rotberockten Damenquintetts und der temperamentvollen Vorstellung des Operettenchors Hamburg klatschten sie begeistert im Takt. Zur Freude von Chorleiterin Doris Vetter: Die Profimusikerin, die aus 80 Sängerinnen und Sängern in weniger als zwei Jahren ein solides Ensemble geformt hatte, drehte sich halb zum Auditorium um, zwinkerte den verzückten Damen und Herren zu, heizte die Stimmung weiter an.

Mit seiner “Operetten-Gala”, einer gefälligen Mischung aus bekannten Operettenweisen von Strauß bis Kálmán und Millöcker, brachte das Ensemble offenbar genau das auf die Bühne des Forums, was die Zuschauer hören und sehen wollten. Ohrwürmer wie “Jetzt geh´ich ins Maxim” oder solche Klassiker unter den Lehár-Liebesliedern wie “Lippen schweigen” und “Dein ist mein ganzes Herz”, das kesse “Im Gegenteil, ich bin ja für die Ehe” aus “Maske in blau” des Komponisten Fred Raymond oder “Komm mit nach Varasdin” aus Kálmáns “Gräfin Mariza” verbreiteten süßes Operettenflair im noch etwas nach Farbe riechenden nagelneuen Saal. Bühnenküsse, raschelnde Abendroben im Rampenlicht und die regenbogenbunten Boas der Sängerinnen machten die typische Operettenstimmung mit Liebesfreud, Intrigen und viel Temperament á la “Julischka aus Budapest” perfekt. Beim anzüglichen “Weiber-Marsch”, gesungen fast ausschließlich von den Herren des Chors und Tenor Felix Müller, erntete das Ensemble erste “Bravo”-Rufe.

Zu Recht , denn Chor und Solisten machten ihre Sache gut: Vom fulminanten Einstieg an – “Leichtes Blut” von Johann Strauß – meisterte der Chor sehr schnelle, schwer zu artikulierende Passagen und rhythmisch anspruchsvolle Stücke ebenso souverän wie verträumtere Lieder. Mitreißendes Stück vor der Pause: “Sassa!” aus der “Maske in Blau” . Bis zum präzise gesetzten Juchzer am Schluss arbeiteten die Chorsänger sich unbeirrt und korrekt durch dieses lateinamerikanisch-kapriziöse Operettenjuwel nach Bossa-Nova-Manier.

Kompliment an Giorgio Radoja am Flügel: Einfülsam und auf den Punkt genau begleitete er den Chor, Sopran Mona Hermes und Tenor Felix Müller. Schlagzeuger Dirk Iwen setzte mit Besen, Klöppeln, Becken und Tambourin exakte Akzente. Und Moderator Dietrich Osten, Mitglied im Vorstand des Fördervereins Forum, geizte nicht mit Informationen über Stücke und Musiker.