Eine Kritik aus der Norddeutschen Rundschau, geschrieben am 18. Oktober 2010 von Heinz Longerich

Farbenprächtiger Operetten-Abend voller Ohrwürmer

Itzehoe Großes Galakonzert, ausverkauftes Parkett – die Operette lebt! Der Operettenchor Hamburg bewies im theater itzehoe einmal mehr, dass der kleinen Schwester der Oper, wenn auch in die Jahre gekommen, an Anziehung nichts fehlt. Kongenial mit dabei: die KlassikPhilharmonie Hamburg, Solisten, Ballett. Am Pult temperamentvoller Charme: Doris Vetter dirigiert.

Das Programm liest sich wie das Who´s who der leichten Muse: Strauß, Kálmán, Lehár, Millöcker…

Illustre Namen auch auf der Bühne: Zirkusprinzessin, Csárdásfürstin, lustige Witwe. Ohrwürmer allenthalben: Dunkelrote Rosen, Tanzen möcht´ ich… Ein Ausflug in die Komische Oper: „Die lustigen Weiber von Windsor”, „Zar und Zimmermann”.

Mit eleganter Routine moderiert Hardy Rudolz, nicht nur Conférencier, sondern selbst auch Mitwirkender, erläutert den Unterschied von Oper, Operette und Musical und beweist seine Vielseitigkeit als Schauspieler, Sänger und Tänzer. Das Publikum moniert mangelnde Lautstärke der Ansage; ein Mikrofon hilft. Dann aber, sehr schön im Duett mit Anja-Katharina Wigger: „Lippen schweigen”.

Die Sopranistin ist der Star des Galakonzerts. Die gebürtige Hamburgerin, zu Hause in allen großen Partien, bezaubert mit Stimme und Ausstrahlung. Überraschend auch Peter Veits Bassbariton, etwa als Oberst Ollendorf im „Bettelstudent”. Applaus für Chorsängerin Stephanie Lembke, die solistische Schützenhilfe leistet. Auf engem Raum vielseitig eingesetzt das, immerhin achtbeinige Ballett vom Schleswig-Holsteinischen Landestheater.

Im Mittelpunkt jedoch der Chor, der mit seinen fast 70 Mitgliedern – die Damen farbenfroh rot-gelb-grün drapiert- nicht das erste Mal in Itzehoe begeistert. Das stimmstarke Ensemble wird auch diesmal seinem Ruf gerecht. Perfekt das Zusammenspiel mit dem Orchester, virtuos Doris Vetters Leitung.

Riesiger, rhythmischer Beifall dankt für den Abend. Das Publikum ist hingerissen, verlangt und erhält Zugaben. Am Ende eine Ovation: Bühne und Parkétt vereint Ungarisches und Itzehoer Temperament. Eine gelungene Mischung.