Eine Kritik aus der Norddeutschen Rundschau, geschrieben am Mittwoch, 4. April 2007

von Heinz Longerich
Vielseitige Talente: Der Hamburger Operettenchor begeisterte im theater itzehoe

Starker Chor präsentiert Musik zum Schwelgen

Itzehoe – Das war ein Konzert, das zum Schwelgen verführte. Der Operettenchor Hamburg präsentierte im theater itzehoe lauter liebe gute alte Bekannte: die Fledermaus, den Zigeunerbaron, die Csárdás-Fürstin. “Freunde, das Leben ist lebenswert“, Felix Müller mit temperiertem Tenor den Tenor des beschwingten Gala-Abends.

Die Hamburger waren bei den „Herbstklängen 2006“ unter Eckhard Heppner schon mal in Itzehoe. Der Gast-Auftritt „führte noch am selben Abend zu dem Wunsch, in diesem wunderschönen, einladenden Theater ein Konzert zu veranstalten“, sagte Doris Vetter, die, als Dirigentin, Moderatorin und Sängerin gleich mehrfach engagiert durch das Programm führte.

Der stark besetzte Chor – die Damen stilgerecht mit bunten Federboas – besteht seit zweieinhalb Jahren und hat sich in Norddeutschland bereits einen Namen gemacht.

Zu ausgesucht schönen Melodien aus dem reichen Fundus der klassischen Operette, „Ohrwürmern“ von Strauß, Lehár, Abraham und Kálmán, gesellten sich moderne Klänge aus Leonhard Bernsteins „West Side Story“. Auffällig: die schwungvolle Wiedergabe auf hohem Niveau mit vielen hübschen Einfällen.

Mit Miriam Sharoni stand eine attraktive Solistin zur Verfügung, deren strahlendem Sopran, dominant auch in den Duetten, die Operetten-Gala nicht zuletzt ihre glanzvollen Höhepunkte verdankte. Die charmante Sängerin hat, in Schweden geboren, in Israel aufgewachsen, mit weit gefasstem Repertoire an renommierten Häusern gewirkt und ist zur Zeit Gast der Hamburger Kammeroper. Auf eine lange Karriere blickt Partner Felix Müller zurück, der als temperamentvoller Barinkay und in weiteren Solopartien zu hören war und auch schon mal den Chor verstärkte.

Als echte Überraschung entpuppte sich Christoph Wiatre (Perkussion), der mit der ausgezeichneten Pianistin Marina Komissartschik das „Orchester“ bildete, aber auch mit sängerischen Qualitäten bestach – derweil dann die Chorleiterin das Schlagzeug bediente.

Flexibilität wird großgeschrieben. So tanzte ein Chormitglied, das aus Samoa stammt, zur „Blume von Hawaii“; drei andere Damen legten einen fulminanten Cancan auf die Bretter. Ob es wohl noch mehr verborgene Talente im Operettenchor gibt?
Man darf gespannt sein. Das nächste Konzert, kündigte Doris Vetter an, ist am 23. November „in diesem wirklich einmalig schönen Theater“. Wir freuen uns.- Zugaben; verdienter, betont herzlicher Beifall im gut besetzten Haus.