„Gefangenenchor“ von Verdi im Original

Auch die Überzeugungsarbeit Vetters in Sachen Sprachwahl zahlte sich aus. Statt wie gehabt auf Deutsch trällerte die Truppe Verdis „Gefangenenchor“ und seinen „Zigeunerchor“ aus dem „Troubadour“ im Original. Fließend den ersten, mit Pfeffer den zweiten. Gut gemacht: Im Original wirken zarter Schmelz und Dramatik italienischer Opernklassiker einfach besser. Und den Inhalt der Stücke erläuterte Vetter auf Deutsch. „Ich bin richtig stolz auf den Chor“, gestand eine strahlende Dirigentin. „Heute haben sie das zum ersten Mal auf Italienisch gesungen.“

In glänzender Form präsentierten sich die Solisten, allesamt Opernprofis. Bettina Rösels Sopran leuchtete, Andreas Michalzik ließ seinen vollen Tenor strahlen. Nur Bassbuffo Friedhelm Brill musste kürzer treten: Eine Erkältung hatte seine Stimmbänder angegriffen. Immer auf Augenhöhe mit Chor und Solisten: Pianistin Marina Komissartchik, die aus dem angejahrten Bechstein-Flügel des Forums herausholte, was ging.

Der „Operettenchor“ ist seinem ursprünglichen Repertoire längst entwachsen. Zwar dominierten im zweiten Teil die Ohrwürmer des Genres vom „Schwarzwaldmädel“ bis zum „Bettelstudenten“. Doch vor der Pause brillierten nicht nur die Profis, sondern auch die perfekt auf sie abgestimmten Amateure mit Kostproben aus dem ernsteren Fach, etwa mit dem „Chor der Landleute“ aus Bedrich Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“.

Der „Operettenchor“ tritt mit einem Galaprogramm verstärkt durch Symphonieorchester, Solisten und Ballett am 6. September in Norderstedt und am 7. September in der Hamburger Laeiszhalle auf. Karten dafür kosten zwischen 15 und 49 Euro. (paw)