Pure Freude: Operettenchor zelebriert den Spaß an der Musik

08. Oktober 2012 | 00:10 Uhr | Von Peter A. Kaminsky
“Sinnlos gute Laune”: Tenor Vincent Schumacher, Moderatorin Doris Vetter und der Hamburger Operettenchor. Foto: Müller-Tischer

Itzehoe. Typisch für diesen Gala-Abend des Hamburger Operetten-Chors war das vorletzte Stück des fast dreistündigen Konzerts. “America” aus der “West Side Story”. Doris Vetter dirigierte ihre Europäische Kammerphilharmonie und ihren Chor mit so viel Temperament und Drive, mit so viel Rhythmus und Schmackes, dass nicht viel zu einem Theaterbeben gefehlt hätte. Musizierfreude, Spielfreude und die pure Lust an der Freude des Publikums (im sehr gut besuchten Haus) kamen hier so richtig fetzig über die Rampe. Und davon hatte es in diesem Konzert schon viele Einzelbeispiele gegeben. Zum Beispiel amüsierte die Sopranistin Anja-Katharina Wigger sich, den Chor, das Orchester und das Publikum mit ihrem Schwipslied aus Johann Strauß’ “Annenpolka”.

Überhaupt stand die “sinnlos gute Laune”, wie Doris Vetter als Moderatorin mit einem Augenzwinkern meinte, sowohl dem Operettenchor als auch dem Publikum gut zu Gesicht, und je länger der Abend dauerte, desto mehr beflügelten sich Akteure und Publikum gegenseitig. Auch bei den Auftritten des Tenors Vincent Schirrmacher, neuerdings einer der Stars am Wiener Theaterhimmel, standen Können und Spaß im Vordergrund. Seine Arie aus Puccinis Tosca hatte noch einen ernsten Hintergrund, aber mit Johann Strauß’ “Zigeunerbaron”-Arie “Als flotter Geist” und erst recht in den Duetten mit der Sopranistin brachte er das Publikum alsbald zum Mitklatschen. Wären diese Texte außerhalb ihrer Liedzeilen nicht so ungeläufig, hätte es auch zum Mitsingen gereicht. Denn das passt zur Operette, der Oper des Volkes.

Aber Doris Vetter hatte nicht nur die Solisten, das Orchester und natürlich ihren Chor im Griff. Charme und Charisma zeichneten ihre Moderationen aus (vor allem jene, die sie nicht ablas). Sie bringt schon Schwung in den Laden, wenn sie nur nach dem Taktstock greift. Es brach also an diesem Abend sozusagen der musikalische Temperamentsvulkan Doris Vetter aus. Oper, Operette und Musical beherrscht Doris Vetters Chor. Und sie beherrscht das Spiel mit dem Publikum, das ihr und den Mitwirkenden nach dieser Gala Beifall ohne Ende zollte.

Als biographischen Exkurs hatte sie den Karlsruher Kammerchor eingeladen, dem sie als Schülerin des dortigen Helmholtz-Musikgymnasiums angehört hatte. In den fünf kurzen Liedern, die die Gäste präsentierten, wurde Chorarbeit vom Feinsten hörbar: exakte Intonation, exakte Einsätze, ausgewogene Stimmführung und ein umfassender Spaß an der Kunst der Musik und des Musizierens. Und das galt eigentlich für den ganzen Abend.