Winsener Anzeiger vom 08.01.2013

Vom Wein zum Sekt, vom Kuß zur Liebe – Winsen schwelgte in Operettenlaune

Mit der Schnellpolka „Leichtes Blut“ von Johann Strauß eröffnete der Operettenchor Hamburg auf Einladung des Verins „Konzerte in Winsen“ sein rund dreistündiges Neujahrskonzert im restlos ausverkauften Marstall.

Für seine mitreißenden Highlights aus Operette und Musical wurde der Chor dann auch unter der Leitung von Doris Vetter mit stehenden Ovationen gefeiert.

Was für ein Programm, kann man da nur sagen! Vom Zigeunerbaron bis zur Czardasfürstin, vom Wein zum Sekt und vom Kuß zur Liebe: die Sopranistin und Dirigentin Doris Vetter mit ihrem Chor, mit Natalja Klem am Piano und verschiedenen Solisten sowie Tenor Karl Schineis als Gastsänger verstehen es, mit gesanglicher Qualität, künstlerischem Ausdruck sowie Witz und Charm das Publikum zu begeistern.

„Sind sie etwa Wiener Touristen?“, fragt Doris Vetter hinsichtlich des temperamentvollen Publikums.

Nein, wir sind hier in Winsen südlich der Elbe, aber die Zuschauer sind nicht weniger hingerissen von ausgelassener Lebensfreude, feurigen Rhythmen und charmanten Liebesduetten.

Da kommt es auch schon einmal vor, dass sich einer der Sänger vom Zuschauer ein Bierglas ausborgt.

Und ein galanter älterer Herr bietet bei „Nehm Sie ‘n Alten“ von Otto Reuter den weiblichen Zuschauern

schon mal seine persönliche Aufwartung an. „Ich komme jeden Freitagnachmittag, gnädige Frau“.

Lyrische Momente gab es mit „Summertime“ aus Porgy und Bess und mit Jellicle Cats aus dem Musical „Cats“ waren die fauchenden Samtpfoten auf der Bühne los.

Letztendlich gab es zum tollen Programm noch drei Zugaben obendrauf, bis der Chor mit einem letzten Rausschmeißer dem Neujahrskonzert ein musikalisches Ende setzte.

Mit Rosen wurden dann die Sängerinnen und Sänger für ihr hinreißendes Konzert geehrt.

„Da nun doch mehr Chorsänger gekommen sind, als wir dachten,haben wir leider nicht genügend Rosen“, bedauerte Petra Golly vom veranstaltenden Verein. „Vielleicht wollen die Männer stattdessen einen Kuß von mir“? Die ließen sich nicht lange bitten, und Doris Vetter staunte nicht schlecht über diese neuartige Dankesbekundung. „Das gab es bei uns noch nie!“

Nach dem Konzert zeugten noch ein paar Federn von den Federboas der Sängerinnen auf der Bühne von einem Abend voller Herzschmerz, Temperament und herrlichen Operettenklängen.